Lockdown Memories: Zeitgeist als visuelle Buchobjekte inszeniert

Timea Andorka verwandelt Bücher in Poster, die gesellschaftliche Umbrüche reflektieren

Die Poster-Serie „Lockdown Memories“ von Timea Andorka fängt zentrale Themen des 21. Jahrhunderts ein und verbindet Buchkunst mit gesellschaftlicher Reflexion.

Im Jahr 2020 erlebte die Welt einen kollektiven Stillstand, der nicht nur den Alltag, sondern auch das Denken der Menschen nachhaltig veränderte. Die Künstlerin und Grafikdesignerin Timea Andorka reagierte auf diese außergewöhnliche Zeit mit einer Serie von fünf Postern, die als Hommage an die prägenden Ideen und Ereignisse dieses Jahrhunderts verstanden werden können. Ihre Arbeit wurde 2025 mit dem renommierten Iron A' Design Award in der Kategorie Fine Arts and Art Installation ausgezeichnet.

Die Poster-Serie greift fünf zentrale Themen auf, die das gesellschaftliche Bewusstsein prägen: Klimawandel, die Black Lives Matter-Bewegung, die Entdeckung des Mars, die Corona-Krise und die Zukunft der Menschheit. Jedes Poster basiert auf einem eigens gestalteten Buchobjekt, das durch gezielte Lichtsetzung in Szene gesetzt wird. In feiner Typografie finden sich Zitate von Wissenschaftler*innen, Autor*innen und Künstler*innen, die die jeweiligen Themen pointiert kommentieren. Diese Verbindung von visueller und inhaltlicher Ebene verleiht der Serie eine besondere Tiefe.

Die Umsetzung der Poster erfolgte in Budapest, Ungarn, im Jahr 2021. Für die Ausstellung bei der co|show Poster Biennale in Colorado, USA, wurden gebrauchte Bücher als Ausgangsmaterial gewählt. Durch innovative Papiergestaltung und raffinierte Lichtführung entstanden einzigartige Buchobjekte, die auf den Postern als Symbol für Wissen, Reflexion und Transformation fungieren. Die Größe der Poster (70×100 cm) unterstreicht ihre Präsenz als Kunstwerke im Raum.

Ein zentrales gestalterisches Element ist die Transformation des Buches vom reinen Informationsträger zum künstlerischen Objekt. Andorka interpretiert Bücher als Bindeglied zwischen wissenschaftlichem Fortschritt und dem Bedürfnis nach Rückzug während des Lockdowns. Die Seiten werden so bearbeitet, dass sie auf die im Buch enthaltenen Inhalte verweisen und gleichzeitig neue Assoziationen ermöglichen. Die künstlerische Herausforderung bestand darin, eine Technik zu finden, die sowohl die Materialität als auch die Botschaft der Bücher sichtbar macht.

Die Poster-Serie versteht sich als visuelles Archiv eines Jahres, das von Unsicherheit, aber auch von Innovation und gesellschaftlichem Wandel geprägt war. Die Verwendung von Zitaten und die bewusste Inszenierung der Buchobjekte schaffen einen Dialog zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Durch die Kombination von Handwerk, Grafikdesign und konzeptueller Tiefe setzt „Lockdown Memories“ ein Zeichen für die Kraft der Kunst, kollektive Erfahrungen zu reflektieren und neue Perspektiven zu eröffnen.

Mit „Lockdown Memories“ gelingt es Timea Andorka, die Herausforderungen und Chancen einer globalen Krise in eine ästhetisch und inhaltlich anspruchsvolle Form zu übersetzen. Die Serie lädt dazu ein, innezuhalten, nachzudenken und die Bedeutung von Wissen und gesellschaftlichem Engagement neu zu bewerten.


Projektdetails und Credits

Projektdesigner: Andorka Timea
Bildnachweis: Photos: Tímea Andorka
Projektteam Mitglieder: graphic design, paper crafts: Tímea Andorka
Projektname: Lockdown Memories
Projektkunde: Timea Andorka


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