Der Abakus, in Japan als Soroban bekannt, blickt auf eine über 450-jährige Geschichte zurück und gilt bis heute als wertvolles Werkzeug für das Erlernen mathematischer Fähigkeiten und als Training für das Gehirn von Kindern. Trotz seiner kulturellen Bedeutung stand das traditionelle Design jedoch vor Herausforderungen: begrenzte Designvarianten, die Abhängigkeit von seltenen Hölzern und ein Mangel an Nachwuchs in der Handwerkskunst gefährdeten die Zukunft des Soroban. Toshihiko Sakai hat mit dem Soroban Colette einen innovativen Ansatz gewählt, um diese Probleme zu lösen und das Rechenbrett für die nächste Generation attraktiv zu machen.
Das herausragende Merkmal des Soroban Colette ist sein kindgerechtes, abgerundetes Design. Während herkömmliche Abakusse oft scharfe Ecken aufweisen, setzt Sakai auf sanfte Rundungen, die das Verletzungsrisiko minimieren und das Produkt besonders für jüngere Kinder sicher machen. Die Konstruktion verzichtet vollständig auf Schrauben, Nägel oder Klebstoffe – ein weiterer Beitrag zur Sicherheit und zur Vereinfachung des Herstellungsprozesses. Die farbenfrohe Gestaltung spricht gezielt die Vorlieben von Kindern an und erweitert die Auswahlmöglichkeiten, wodurch der Soroban zu einem persönlichen Lernbegleiter wird.
Ein zentrales Anliegen bei der Entwicklung war die ökologische Nachhaltigkeit. Traditionell wurden Abakusse aus schweren, harten Hölzern wie Buchsbaum gefertigt, die heute als gefährdet gelten. Der Soroban Colette besteht zu über 60 % aus recycelten Materialien, insbesondere Polycarbonat für das Gehäuse und Polystyrol für die Perlen. Durch die innovative fischgrätenartige Integration von Balken und Achsen konnte die Anzahl der Einzelteile um mehr als 30 % reduziert werden. Diese technische Raffinesse ermöglicht eine effizientere Produktion und verringert die Abhängigkeit von spezialisierten Handwerkern.
Mit 20 Stellen – statt der traditionellen 23 – ist der Soroban Colette speziell auf Anfänger zugeschnitten und passt mit seiner A4-Größe problemlos in jede Schultasche. Das geringe Gewicht von 158 Gramm und die stabile Konstruktion aus recyceltem Kunststoff machen ihn zu einem langlebigen und praktischen Begleiter im Schulalltag. Die Bedienung bleibt dabei intuitiv: Jede Spalte steht für eine Dezimalstelle, und die farbigen Perlen lassen sich leicht mit Daumen und Zeigefinger bewegen, um Rechenoperationen wie Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division durchzuführen.
Die Entwicklung des Soroban Colette war geprägt von intensiver Forschung und dem Anspruch, traditionelle Werte mit modernen Anforderungen zu vereinen. Die Produktion eines klassischen Abakus umfasst rund 200 hochspezialisierte Arbeitsschritte, doch der Rückgang an Fachkräften und die Verknappung von Rohstoffen machten eine Neuausrichtung notwendig. Sakais Lösung: ein nachhaltiges, industriell herstellbares Produkt, das dennoch die pädagogischen und kulturellen Qualitäten des Originals bewahrt. Die Reduktion der Teile um 40 % und die Verwendung von recycelten Materialien stellen einen bedeutenden Fortschritt für die Branche dar.
Der Soroban Colette wurde 2025 mit dem Bronze A' Design Award in der Kategorie Kunst- und Schreibwaren ausgezeichnet. Die Jury würdigte insbesondere die gelungene Verbindung aus technischer Innovation, gestalterischer Kreativität und gesellschaftlicher Relevanz. Toshihiko Sakai zeigt mit diesem Projekt, wie Tradition und Fortschritt harmonisch verschmelzen können, um Bildungsinstrumente für kommende Generationen zu sichern und zu bereichern.
Mit dem Soroban Colette erhält das klassische Rechenbrett nicht nur ein zeitgemäßes Gesicht, sondern auch eine nachhaltige Perspektive. Das Projekt setzt ein Zeichen für die Zukunft des Lernens und inspiriert dazu, bewährte Traditionen durch innovative Ansätze lebendig zu halten.
Projektdesigner: Toshihiko Sakai
Bildnachweis: N/A
Projektteam Mitglieder: Toshihiko Sakai
Projektname: Soroban Colette
Projektkunde: Asahi Printing Co., Ltd.