Im Herzen eines westlich geprägten Einkaufszentrums in New Taipei City hat Designer Che Yung Kung mit „In Between Octaves“ einen einzigartigen japanischen Ramenladen geschaffen, der die Essenz traditioneller Handwerkskunst mit zeitgenössischer Architektur verbindet. Inspiriert von den intensiven Eindrücken authentischer Ramenbars in Japan, setzt das Konzept auf eine offene Küche und eine detailreiche Inszenierung, die Gäste mitten ins Geschehen eintauchen lässt. Die Verbindung von Raum, Klang und Kulinarik erzeugt eine Atmosphäre, die weit über das reine Essen hinausgeht und ein multisensorisches Erlebnis bietet.
Zentraler Bestandteil des Designs ist die gezielte Integration orientalischer Elemente in eine moderne, westliche Umgebung. Ein architektonisches Raster, das sich wie eine Partitur durch den Raum zieht, verbindet neue und alte Achsen miteinander. Handgeschriebene Kalligrafie-Laternen rahmen Küche und Gastraum ein und erinnern an Notenlinien, auf denen sich das Geschehen wie eine musikalische Komposition entfaltet. Die Gäste erleben nicht nur die Zubereitung der Speisen, sondern werden durch die rhythmischen Bewegungen und Rufe der Ramenköche Teil einer lebendigen Performance.
Die technische Umsetzung überzeugt durch eine Vielzahl raffinierter Details: Eine offene Küchenbar mit Schiebefenster ermöglicht direkte Einblicke in die Arbeit der Köche. Holzträger mit atmosphärischer Beleuchtung, Edelstahlgitter, Metall- und Holzlamellen sowie großflächige Glasfronten schaffen eine harmonische Balance zwischen Transparenz und Geborgenheit. Lineare Wandfluter und handgeschriebene Laternen sorgen für ein stimmungsvolles Lichtspiel, während die markante Leuchte mit Markenlogo einen klaren Akzent setzt. Die 74 Quadratmeter große Fläche wird so optimal genutzt und in eine Bühne für kulinarische Handwerkskunst verwandelt.
Auch funktional überzeugt das Konzept: Die O-förmige Zirkulation zwischen Innen- und Außenküche gewährleistet einen reibungslosen Ablauf von Zubereitung, Ausgabe, Rücklauf und Reinigung. Gäste können den gesamten Prozess verfolgen und werden durch die Geräuschkulisse – das Schütteln der Nudeln, das Rufen der Köche – in die authentische Atmosphäre japanischer Ramenbars versetzt. Die Gestaltung fördert nicht nur die Effizienz, sondern auch die emotionale Bindung zwischen Gast und Handwerk.
Die Umsetzung des Projekts stellte das Team vor besondere Herausforderungen: Innerhalb von nur 45 Tagen musste der Umbau abgeschlossen sein, um rechtzeitig zur Weihnachtssaison zu eröffnen. Trotz des engen Zeitrahmens gelang es, ein stimmiges Gesamtkonzept zu realisieren, das sowohl ästhetisch als auch funktional überzeugt. Die konsequente Verwendung natürlicher Materialien und die Konzentration auf handwerkliche Details spiegeln die Philosophie des Restaurantbetreibers wider, der auf hochwertige Zutaten und traditionelle Zubereitung setzt.
Für diese innovative Verbindung von Kunst, Architektur und kulinarischer Tradition wurde „In Between Octaves“ mit dem Bronze A' Design Award 2025 in der Kategorie Innenraum-, Retail- und Ausstellungsdesign ausgezeichnet. Die Jury würdigte insbesondere die kreative Umsetzung, die technische Raffinesse und den Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität. Das Projekt setzt neue Maßstäbe für gastronomische Raumkonzepte und zeigt, wie Design und Handwerk zu einem harmonischen Gesamterlebnis verschmelzen können.
„In Between Octaves“ lädt dazu ein, Ramen nicht nur als Gericht, sondern als Gesamtkunstwerk zu erleben – eine Einladung, die weit über die Grenzen Taiwans hinaus Inspiration bietet.
Projektdesigner: Che Yung Kung
Bildnachweis: Che Yung Kung
Projektteam Mitglieder: Che Yung Kung
Projektname: In Between Octaves
Projektkunde: Synergy Collective Catering Ltd.