Die Neugestaltung des Empfangssaals Kouunji Kyakuden basiert auf einer tiefgreifenden Auseinandersetzung mit der Geschichte und Landschaft der Region. Hiroaki Iwasa ließ sich von der ursprünglichen Bausubstanz inspirieren, insbesondere von den wertvollen, heute nicht mehr erhältlichen Holzbalken und -säulen des alten Gebäudes. Durch die sorgfältige Reparatur und Wiederverwendung dieser Elemente gelang es, einen authentischen Bezug zur Vergangenheit herzustellen und gleichzeitig Ressourcen zu schonen – ein Ansatz, der die Bedeutung nachhaltiger Bauweisen in der zeitgenössischen Architektur unterstreicht.
Das Projekt stellt eine kreative Antwort auf die Herausforderungen dar, die mit dem Erhalt und der Modernisierung historischer Bauten einhergehen. Nach 140 Jahren intensiver Nutzung war der alte Empfangssaal nicht mehr zu retten. Iwasa entschied sich bewusst für eine Bauweise, die traditionelle Handwerkskunst mit modernen Funktionen vereint. Durch die Harmonisierung mit den bestehenden Tempelanlagen und die Integration von Mechanismen zur Weitergabe kollektiver Erinnerungen entstand ein Bauwerk, das sowohl nostalgische Gefühle als auch eine starke Präsenz für kommende Generationen verkörpert.
Die Realisierung des Kouunji Kyakuden erforderte innovative technische Lösungen. Die instabile Bodenbeschaffenheit machte eine umfassende Fundamentverstärkung notwendig. Die Wiederverwendung alter Holzelemente wurde durch spezielle Holzverbindungen ermöglicht, während bewegliche Zedernholz-Lamellen und die Wiederbelebung der traditionellen Naturfarbe „Kumezo“ dem Gebäude eine unverwechselbare Ästhetik verleihen. Die Umsetzung dieses Projekts zeugt von außergewöhnlicher Handwerkskunst und einem tiefen Verständnis für regionale Baukultur.
Mit einer Fläche von rund 324 Quadratmetern und einer klaren, funktionalen Grundrissgestaltung erfüllt der Empfangssaal vielfältige Aufgaben: Er dient als Ort für religiöse Zeremonien, als Treffpunkt für Gemeindemitglieder, als Speisesaal und als temporäres Evakuierungszentrum bei Katastrophen. Die enge Verbindung zur lokalen Gemeinschaft spiegelt sich in der Architektur wider, die auf die Bedürfnisse der Menschen zugeschnitten ist und ihre Traditionen respektiert. Die Wahl regionaler Materialien und Bauformen stärkt die Identität des Ortes und fördert das Bewusstsein für lokales Erbe.
Die umfassende Forschungsarbeit, die diesem Projekt zugrunde liegt, betont die zentrale Rolle des Tempels im sozialen Gefüge der Region. Interviews mit Bewohnern, Studien zur Geschichte und zu lokalen Ritualen sowie Analysen der Landschaft und Topografie flossen in die Planung ein. Das Ergebnis ist ein Bauwerk, das nicht nur architektonisch überzeugt, sondern auch als lebendiges Symbol für die Kontinuität und Erneuerung gemeinschaftlicher Werte fungiert.
Die Auszeichnung mit dem Bronze A' Design Award 2025 würdigt die herausragende Verbindung von technischer Innovation, künstlerischer Sensibilität und gesellschaftlicher Verantwortung. Kouunji Kyakuden steht exemplarisch für eine Architektur, die Vergangenheit und Zukunft, Funktionalität und Emotion, Handwerk und Technologie in einem harmonischen Ganzen vereint. Dieses Projekt inspiriert dazu, den Wert historischer Bausubstanz neu zu denken und nachhaltige Lösungen für die Herausforderungen der Gegenwart zu entwickeln.
Projektdesigner: Hiroaki Iwasa
Bildnachweis: Photographer Kozo Takayama
Projektteam Mitglieder: Hiroaki Iwasa
Projektname: Kouunji Kyakuden
Projektkunde: Hiroaki Iwasa Architects Workshop