Die Inspiration für das Yan Art Museum entspringt dem Wunsch, Architektur harmonisch in die Natur einzubetten und einen Dialog mit der lokalen Kultur Rushans zu führen. Guanyu Tao ließ sich von der dramatischen Topografie des Rushan-Gebirges leiten: Die steinigen Texturen und fließenden Konturen der Region spiegeln sich in der Gestaltung wider. Die lockere, hofartige Anordnung des Museums zitiert die organischen Formen traditioneller chinesischer Dörfer und verwebt kulturelles Erbe mit zeitgenössischer Architektur. So entsteht ein Ort, der natürliche und kulturelle Elemente in einen dynamischen Mittelpunkt für künstlerischen Ausdruck verwandelt.
Das Museum hebt sich durch seine innovative Nutzung des Geländes ab. Anstatt die natürlichen Hänge zu nivellieren, integriert das Design sie als funktionale Elemente wie Wege, Plätze und Aussichtspunkte. Texturiertes Sichtbeton erinnert an Felsformationen und sorgt für eine nahtlose Verbindung von Bauwerk und Umgebung. Die offene Struktur fördert die Interaktion zwischen Besuchern und lokalen Künstlern, indem Ateliers und Galerien eng miteinander verknüpft sind. Diese Herangehensweise schafft eine einzigartige Symbiose aus kultureller Identität, Innovation und ökologischer Integration.
Technologisch setzt das Museum auf Schalungsbeton mit Felsstruktur, der sowohl ästhetische als auch statische Anforderungen erfüllt. Flachwurzelnde Bepflanzung schützt die Gebäudestruktur und unterstützt die Abdichtung. Die drei Ebenen des Museums sind durch Treppen und Aufzüge verbunden und orientieren sich an der natürlichen Topografie, um Barrierefreiheit und eine harmonische Einbindung ins Gelände zu gewährleisten. Mit einer Gesamtfläche von 1.650 Quadratmetern auf einem 2.700 Quadratmeter großen Grundstück bietet das Museum vielfältige Räume: ein einladender Hof mit Ateliers und Galerien im Erdgeschoss, eine kleine Plaza und weitere Ausstellungsflächen im Obergeschoss sowie ein Freilufttheater für traditionelle Aufführungen auf der obersten Ebene.
Die Besucherführung ist sorgfältig durchdacht: Vom von Wasser umgebenen Eingangsplatz gelangt man zu den Ateliers und der Hauptgalerie mit wechselnden Ausstellungen. Ein Aufzug und Außentreppen führen zur L-förmigen Plaza des zweiten Stocks und zur Galerie für Dauerausstellungen. Das Freilufttheater auf der dritten Ebene dient als kultureller Höhepunkt und bietet einen spektakulären Ausblick auf die Landschaft.
Die Konzeption des Yan Art Museum basiert auf intensiver Forschung, inspiriert von dekon-struktivistischen Ansätzen und den Werken von Thom Mayne und Zaha Hadid. Mithilfe von Handzeichnungen, Collagen sowie digitalen Tools wie Rhinoceros und Adobe Suite wurde ein Bauwerk geschaffen, das Architektur, Topografie und kulturelle Identität miteinander verschmilzt. Die größten Herausforderungen lagen in der Integration der unterschiedlichen Geländehöhen – diese wurden jedoch in funktionale und ästhetische Vorteile verwandelt, indem Höhenunterschiede als Aussichtspunkte und Wege genutzt wurden.
Mit seiner einzigartigen Verbindung aus Architektur, Natur und Kultur setzt das Yan Art Museum neue Impulse für museale Räume im ländlichen Kontext. Die Auszeichnung mit dem Golden A' Design Award 2025 unterstreicht die internationale Bedeutung dieses Projekts. Es lädt dazu ein, die Beziehung zwischen Mensch, Kunst und Landschaft neu zu denken und zu erleben.
Projektdesigner: Guanyu Tao
Bildnachweis: Image #1: Designer and Photo Rendering Guanyu Tao
Image #2: Designer and Photo Rendering Guanyu Tao
Image #3: Designer and Photo Rendering Guanyu Tao
Image #4: Designer and Photo Rendering Guanyu Tao
Image #5: Designer and Photo Rendering Guanyu Tao
Projektteam Mitglieder: Guanyu Tao
Projektname: Yan
Projektkunde: Gerry Tao