In den Vororten großer Metropolen ist beengtes Wohnen mit wenig Privatsphäre oft die Norm. Moderne Häuser setzen auf Energieeffizienz und Isolierung, wodurch sich das Leben zunehmend nach innen verlagert. Die Bewohner ziehen häufig die Vorhänge zu, um sich vor neugierigen Blicken zu schützen, und verlieren dabei den Bezug zur Außenwelt. Im Gegensatz dazu stand das traditionelle japanische Haus stets im Einklang mit der Natur und spiegelte eine tiefe Verbundenheit mit der Umgebung wider. Das Projekt Yokohama Aoba von Shin Takamatsu und Kei Tamai verfolgt das Ziel, diese verloren gegangenen Werte wiederzubeleben und das moderne Wohnen erneut mit der Natur zu verbinden.
Das Herzstück des Entwurfs bildet ein zentraler Innenhof, der alle Räume miteinander verbindet und den Bewohnern das Gefühl vermittelt, stets mit dem Himmel in Kontakt zu stehen. Die ungewöhnliche, pentagonale Grundstücksform wurde genutzt, um eine innovative Raumstruktur zu schaffen. Ein „doppeltes Möbiusband“ – eine architektonische Schleife aus Treppen und Fluren – ermöglicht flexible Bewegungsabläufe und schafft vielfältige Nutzungsmöglichkeiten für Familien. Diese Struktur unterstützt unterschiedliche Lebensstile und passt sich den wandelnden Bedürfnissen der Bewohner an.
Die Realisierung des Hauses zeichnet sich durch eine raffinierte Wegeführung aus: Zwei Treppen führen direkt vom Eingang aus, während sich die Räume fächerförmig um den Innenhof gruppieren. Ein schmaler Gang verbindet die Flügel des Hauses im hinteren Bereich. Die meisten Räume sind zum Innenhof hin ausgerichtet, sodass Tageslicht und der Blick zum Himmel jeden Winkel durchdringen. Die Flügel des Hauses sind um 40 Grad geneigt, was das Raumgefühl zusätzlich verstärkt. Die doppelte Möbiusschleife und der Innenhof schaffen zahlreiche Wege, fördern die familiäre Interaktion und lassen das Haus großzügiger wirken, als es die Grundfläche vermuten lässt.
Die technische Umsetzung basiert auf einer Grundstücksfläche von 204,05 Quadratmetern, einer bebauten Fläche von 90,56 Quadratmetern und einer Gesamtwohnfläche von 163,77 Quadratmetern. Die Architektur ermöglicht verschiedene Wohnkonzepte: Das Leben kann sich um den Innenhof zentrieren oder die Räume lassen sich zu einer großen Fläche verbinden. Die Wegeführung erlaubt es, dass sich Familienmitglieder frei bewegen können, ohne sich zwangsläufig zu begegnen – ein Vorteil, der sich besonders während der Pandemie als nützlich erwiesen hat. Natürliche Belüftung und Lichtdurchflutung reduzieren zudem den Energiebedarf und steigern den Wohnkomfort.
Die Inspiration für dieses Konzept stammt aus der japanischen Bautradition, insbesondere den Machiya-Häusern Kyotos, die Licht und Luft auch in dicht bebauten Stadtvierteln ins Haus holten. Während moderne Wohnbauten oft auf maximale Leistung und Abgrenzung zur Umwelt setzen, plädiert Yokohama Aoba für eine Rückbesinnung auf nachhaltige, naturverbundene Lebensweisen. Die Zusammenarbeit zwischen Shin Takamatsu und Principal Home begann 2014 und führte nach intensiver Planungsphase zur Fertigstellung mehrerer preisgekrönter Projekte, darunter „AROUND THE SKY“, „WITH THE SKY“, „ALONG THE SKY“ und „IN THE SKY“.
Die Herausforderungen bei der Umsetzung lagen vor allem in der Balance zwischen Kosten und Designqualität, insbesondere bei hochpreisigen Immobilien. Durch die Zusammenarbeit mit renommierten Architekten und die Konzentration auf maßgeschneiderte Lösungen konnte jedoch ein außergewöhnliches Wohnkonzept realisiert werden, das mit dem Silver A' Design Award 2025 ausgezeichnet wurde. Diese Auszeichnung würdigt die herausragende technische und künstlerische Qualität des Projekts und bestätigt dessen Innovationskraft.
Yokohama Aoba zeigt, wie zukunftsweisende Architektur das urbane Wohnen neu denken kann – als Einladung, den Himmel wieder zum festen Bestandteil des Alltags zu machen und die Verbindung zur Natur in den Mittelpunkt zu stellen.
Projektdesigner: Kei Tamai
Bildnachweis: Kei Tamai
Projektteam Mitglieder: designer:Shin Takamatsu
Projektname: Yokohama Aoba
Projektkunde: SKY MISSION