Die kinetische Installation „Emotion Protocol“ von Zhenglong Yang, ausgezeichnet mit dem Iron A' Design Award 2025, setzt einen eindrucksvollen Akzent im Spannungsfeld von Kunst, Technologie und kultureller Reflexion. Inspiriert von der chinesischen Redewendung „Freude, Zorn, Trauer, Glück“ und den viergesichtigen Buddha-Statuen, übersetzt Yang traditionelle Symbolik in eine zeitgenössische, mechanisierte Formensprache. Die Arbeit thematisiert die Diskrepanz zwischen der Komplexität menschlicher Emotionen und den normativen Anforderungen ostasiatischer Gesellschaften, in denen emotionale Zurückhaltung als Tugend gilt.
Im Zentrum der Installation stehen mehrere Buddha-Köpfe mit vier Gesichtern, die jeweils unterschiedliche Emotionen repräsentieren. Diese Köpfe, gefertigt aus 3D-gedrucktem Kunstharz und auf CNC-gefrästen Acrylsockeln montiert, rotieren synchronisiert durch präzise gesteuerte Schrittmotoren. Die Bewegungsmuster werden von einem eigens entwickelten Algorithmus orchestriert, der die kinetischen Abläufe zu einer visuellen Erzählung emotionaler Zustände verdichtet. Die technische Umsetzung basiert auf einem maßgeschneiderten PCB (Leiterplatte), das eine nahtlose Verbindung von Hardware und künstlerischer Intention gewährleistet.
Die passive Interaktion mit dem Werk lädt Betrachter dazu ein, die rotierenden Buddha-Köpfe zu beobachten und die dargestellten Emotionen zu reflektieren. Die hypnotische Synchronität der Bewegungen erzeugt eine Atmosphäre, die sowohl meditativen Charakter als auch kritische Distanz bietet. Zhenglong Yang gelingt es, die Spannung zwischen menschlicher Gefühlsvielfalt und maschineller Präzision sichtbar zu machen – ein Thema, das in einer zunehmend technisierten und kollektivistisch geprägten Welt an Relevanz gewinnt.
Herausforderungen bei der Realisierung lagen insbesondere in der Balance zwischen spiritueller Tiefe und technischer Perfektion. Die Integration buddhistischer Ikonografie in ein technologisches Framework erforderte intensive Auseinandersetzung mit kulturellen Narrativen und emotionaler Theorie. Technisch stellte die Entwicklung individueller Steuerplatinen und die Synchronisation der Motoren eine besondere Hürde dar, die durch innovative Ansätze im Bereich Physical Computing überwunden wurde.
Mit einer Größe von 457,2 x 457,2 x 1100 cm und der Präsentation im RacketNYC in New York setzt „Emotion Protocol“ ein starkes Zeichen für die Verbindung von Tradition und Innovation. Die Installation regt dazu an, über die Rolle von Emotionen in einer von Protokollen und Erwartungen geprägten Gesellschaft nachzudenken und eröffnet neue Perspektiven auf die Schnittstellen von Kunst, Technologie und kultureller Identität.
„Emotion Protocol“ demonstriert, wie zeitgenössisches Design durch die Verschmelzung von kulturellem Erbe und moderner Technik neue Erfahrungsräume schaffen kann. Die Installation lädt dazu ein, eigene emotionale Landschaften zu hinterfragen und den Wert individueller Gefühle im kollektiven Kontext neu zu bewerten.
Projektdesigner: Zhenglong Yang
Bildnachweis: Photo credits: Audrey Chou
Projektteam Mitglieder: Zhenglong Yang
Projektname: Emotion Protocol
Projektkunde: Zhenglong Yang