Kindheitserinnerungen an das Basteln von vierblättrigen Kleeblättern während der Sommerferien auf dem Land bilden die Inspirationsquelle für Maja Kirovskas Installation „Luck“. Aus der Erfahrung, echte Glücksbringer nicht zu finden und stattdessen selbst zu erschaffen, entwickelte die Künstlerin ein Konzept, das weit über persönliche Nostalgie hinausgeht. Die Arbeit nimmt die kulturelle Symbolik des vierblättrigen Kleeblatts zum Anlass, um gesellschaftliche Vorstellungen von Glück, Zufall und oberflächlicher Zufriedenheit zu untersuchen und kritisch zu beleuchten.
Im Zentrum der Installation steht ein ironischer Herstellungsprozess: Sieben Fotografien führen Schritt für Schritt vor, wie ein viertes Blatt an ein dreiblättriges Kleeblatt angebracht wird. Dreizehn Enzyklopädien, jeweils auf zufälligen Seiten geöffnet, präsentieren getrocknete, künstlich gefertigte Glückskleeblätter. Ergänzt wird die Inszenierung durch ein Video, das den Bastelvorgang dokumentiert und die Diskrepanz zwischen Schein und Sein offenlegt. Die Besucher erhalten so eine „Do-it-yourself“-Anleitung für das Erzeugen von Glück – und werden gleichzeitig mit der Fragwürdigkeit solcher Konstruktionen konfrontiert.
Technisch verbindet „Luck“ konzeptuelle und traditionelle Methoden: Die Kleeblätter werden wie botanische Präparate gepresst und in Enzyklopädien arrangiert, deren zufällige Seitenwahl das Prinzip des Zufalls und der Serendipität betont. Die fotografische Sequenz und das Video machen den Herstellungsprozess transparent und stellen die Authentizität des Glücksobjekts in Frage. Die Installation nutzt dabei bewusst vertraute Medien, um den Zugang niedrigschwellig zu halten und eine breite Reflexion anzuregen.
Die Interaktion mit der Installation ist bewusst kontemplativ gestaltet. Besucher bewegen sich durch den Raum, folgen den fotografischen Anweisungen, entdecken die Enzyklopädien mit den gefälschten Kleeblättern und sehen schließlich das Video, das die Illusion entlarvt. Dieser Parcours regt dazu an, eigene Überzeugungen über Glück, Authentizität und gesellschaftliche Rituale zu hinterfragen. Die Arbeit macht deutlich, wie leicht sich Symbole konstruieren und akzeptieren lassen – und wie oberflächlich das Streben nach Glück oft bleibt.
Die Umsetzung von „Luck“ erforderte eine sorgfältige Auswahl und Kombination der Medien, um die konzeptuelle Aussage klar und zugänglich zu vermitteln. Professionelle Fotografie und Videoaufnahmen gewährleisten eine hohe Qualität der Dokumentation, während die Inszenierung auf Klarheit, Kohärenz und starke visuelle Kommunikation setzt. Die Herausforderung bestand darin, die Balance zwischen Information und visueller Wirkung zu halten, um eine nachhaltige Reflexion beim Publikum auszulösen.
Seit der Erstpräsentation 2014 in Skopje wurde „Luck“ in mehreren internationalen Ausstellungen gezeigt, darunter in Zagreb, Ponte de Lima und Südkorea. Die Installation wurde 2025 mit dem Bronze A' Design Award in der Kategorie Fine Arts and Art Installation ausgezeichnet – ein Beleg für ihre kreative Originalität, technische Präzision und gesellschaftliche Relevanz. Maja Kirovska gelingt es, mit „Luck“ ein vertrautes Symbol neu zu deuten und einen vielschichtigen Diskurs über Glück, Authentizität und kulturelle Konstruktionen anzustoßen.
„Luck“ lädt dazu ein, die eigenen Vorstellungen von Glück zu hinterfragen und die Mechanismen hinter gesellschaftlichen Symbolen kritisch zu reflektieren. Die Installation zeigt, wie Kunst dazu beitragen kann, alltägliche Rituale und Glaubenssätze sichtbar zu machen – und eröffnet neue Perspektiven auf das, was als „Glück“ gilt.
Projektdesigner: Maja Kirovska
Bildnachweis: Image #1: Photographer / Ana Lazarevska, Luck, 2014.
Image #2: Photographer / Creator Maja Kirovska, Luck, 2014.
Image #3: Photographer / Creator Maja Kirovska, Luck, 2014.
Image #4: Photographer / Creator Maja Kirovska, Luck, 2014.
Image #5: Photographer / Ana Lazarevska, Luck, 2014.
Video Credits: Videographer/ Maja Kirovska, Luck, 2014.
Projektteam Mitglieder: Maja Kirovska
Projektname: Luck
Projektkunde: Maja Kirovska