Mit der Wiedereröffnung der zentralen Ausstellungshallen im Naturkundemuseum Stuttgart präsentiert Ralph Appelbaum Associates eine visionäre Verbindung aus Architektur, Design und Wissenschaftskommunikation. Die ehemaligen Innenhöfe des Schloss Rosenstein wurden in lichtdurchflutete Erlebnisräume verwandelt, die Evolution und Biodiversität auf eine immersive und zeitgemäße Art erfahrbar machen. Statt das natürliche Tageslicht auszusperren, wird es durch Filter und Farbgebung in die Gestaltung integriert und schafft so eine dynamische Szenerie, die Besucherinnen und Besucher unmittelbar in ihren Bann zieht.
Im Mittelpunkt der Ocean Hall steht ein aufgeschnittener Modellwal, der durch multimediale Projektionen zum Leben erweckt wird. Diese Inszenierung verdeutlicht eindrucksvoll die Zusammenhänge zwischen einzelnen Lebewesen und dem gesamten Ökosystem Meer. Die Halle selbst ist in tiefes Blau getaucht und gliedert sich in verschiedene Lebensräume – von Küsten über Riffe bis zu den Tiefseegründen. Interaktive Stationen, Tastobjekte und analoge wie digitale Informationsgrafiken laden dazu ein, die Vielfalt der Meeresbewohner spielerisch zu entdecken.
Die Evolution Hall hingegen beeindruckt mit einer großformatigen Präparation eines afrikanischen Elefantenbullen und eines europäischen Waldelefanten. Sechs thematische Inseln gruppieren sich um einen zentralen Medientisch, an dem evolutionäre Prozesse durch ein eigens entwickeltes Spiel verständlich gemacht werden. Jede Insel beleuchtet einen Aspekt der Evolution und kombiniert spektakuläre Exponate mit anschaulichen Grafiken und interaktiven Elementen. Die grün leuchtende Atmosphäre erinnert an ein Blätterdach und unterstreicht das Thema der biologischen Vielfalt.
Ein besonderes Augenmerk lag auf der gezielten und zurückhaltenden Integration von Medientechnik. Die beiden Hauptmedienproduktionen – die Projektion auf das Walmodell und das Evolutionsspiel – fungieren als Höhepunkte der jeweiligen Ausstellung, ohne das Gesamterlebnis zu dominieren. Diese bewusste Balance zwischen analoger und digitaler Vermittlung ermöglicht es, komplexe wissenschaftliche Inhalte verständlich und emotional zugänglich zu machen.
Die Ausstellungsgestaltung folgt dem Prinzip, nicht nur Ergebnisse und Fakten zu präsentieren, sondern auch die Wege und Prozesse wissenschaftlicher Erkenntnisgewinnung sichtbar zu machen. Damit leistet das Museum einen wichtigen Beitrag zum öffentlichen Verständnis von Wissenschaft und betont die Bedeutung naturkundlicher Sammlungen für aktuelle und historische Forschung. Die immersive Szenografie und die intuitive Besucherführung wurden von einem interdisziplinären Team unter der Leitung von Tim Ventimiglia entwickelt und setzen neue Maßstäbe für museale Erlebnisräume.
Die Neugestaltung des Naturkundemuseums Stuttgart wurde mit dem Silver A' Design Award 2025 ausgezeichnet – ein Beleg für die herausragende Verbindung von technischer Innovation, künstlerischer Qualität und nachhaltiger Wissensvermittlung. Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie Museen zu inspirierenden Orten des Staunens und Lernens werden können und lädt dazu ein, die Wunder der Natur mit allen Sinnen zu entdecken.
Projektdesigner: Ralph Appelbaum Associates
Bildnachweis: Image #1: Photographer Daniel Stauch, Stuttgart State Museum of Natural History, 2023.
Image #2: Photographer Daniel Stauch, Stuttgart State Museum of Natural History, 2023.
Image #3: Photographer Daniel Stauch, Stuttgart State Museum of Natural History, 2023.
Image #4: Photographer Daniel Stauch, Stuttgart State Museum of Natural History, 2023.
Image #5: Photographer Daniel Stauch, Stuttgart State Museum of Natural History, 2023.
Projektteam Mitglieder: Creative Director: Tim Ventimiglia
Project Manager: Sebastian Scheller
Lead Physical Designer: Sara Omassi
Graphic Designer: Hannah Wohlleb
Graphic Designer: Katharina Buchhauser
Content Developer: Anne-Maike Ewert
Projektname: Naturkundemuseum Stuttgart
Projektkunde: Ralph Appelbaum Associates