Yuko Suzuki, ursprünglich als Druckgrafikerin tätig, ließ sich für „Life Forms of Colors“ von der Frage inspirieren, ob sich die Farbabtrennung eines traditionellen Holzschnitts durch Programmierung nachbilden lässt. Diese Überlegung führte zu einer digitalen Transformation klassischer Drucktechniken wie Farbschichtung, Überdrucken und dem Rollen des Papiers. Das Ergebnis ist eine Animation, die nicht nur die physische Handlung, sondern auch die konzeptionelle Tiefe des Druckprozesses in einen dreidimensionalen, digitalen Raum überträgt.
Die Besonderheit der Arbeit liegt in der Art und Weise, wie sie ein Bild in einzelne Pixel zerlegt und diese wie lebendige Zellen neu zusammensetzt. Die Pixel bewegen sich, verschmelzen und formen ständig neue Strukturen und Farben. Dabei greift Suzuki auf die japanischen Konzepte „Kasane“ (Schichtung) und „Zurashi“ (Verschiebung) zurück. Diese Prinzipien spiegeln sich in der Animation wider und symbolisieren die ständige Transformation und den Kreislauf von Leben und Tod – ein zentrales Motiv in Suzukis künstlerischer Forschung.
Technisch realisiert wurde das Werk mit der Programmiersprache Processing. Die Animation besteht aus mehreren, nahtlos ineinander übergehenden Szenen, die durch Videobearbeitung miteinander verbunden wurden. Die Herausforderung bestand darin, die unterschiedlichen Formen und Bewegungen durch Code zu verknüpfen, sodass ein kontinuierlicher Fluss entsteht. Die finale Präsentation auf einem 4 x 4 Meter großen LED-Screen mit einer Laufzeit von 10 Minuten und 30 Sekunden unterstreicht die immersive Wirkung der Arbeit.
Die Animation lädt das Publikum dazu ein, den Prozess der Zerlegung und Rekonstruktion von Pixeln zu beobachten. Während die Pixel sich verändern, entstehen immer neue Formen, die die Vielfalt und Wandlungsfähigkeit des Menschen symbolisieren. Suzuki versteht die Pixel sowohl als Zellen als auch als Metapher für Individuen, die gemeinsam die Welt formen. Dieser Ansatz eröffnet einen spannenden Dialog zwischen Mikro- und Makrokosmos und zeigt, wie digitale Kunst gesellschaftliche und kulturelle Werte neu definieren kann.
„Life Forms of Colors“ wurde im Rahmen des Projekts „Poems in Code: Generative Art Today and Programming Generated Moving Image“ in Tokio ausgestellt und hat durch seine innovative Verbindung von Tradition und Technologie internationale Anerkennung gefunden. Die Auszeichnung mit dem Silver A' Design Award 2025 würdigt nicht nur die technische Brillanz, sondern auch die künstlerische Tiefe und emotionale Wirkung der Arbeit. Yuko Suzuki gelingt es, mit ihrer digitalen Kunst neue Wege für Ausdruck und Identität im Zeitalter der Algorithmen aufzuzeigen.
Die Verschmelzung von Handwerk und Code, von japanischer Ästhetik und digitaler Innovation, macht „Life Forms of Colors“ zu einem wegweisenden Beispiel für die Zukunft der generativen Kunst. Wer sich für die Schnittstellen von Kunst, Technologie und gesellschaftlicher Transformation interessiert, findet in Suzukis Werk eine inspirierende Antwort auf die Frage, wie sich Tradition und Innovation gegenseitig beflügeln können.
Projektdesigner: Yuko Suzuki
Bildnachweis: Image #1: Photographer Ryuichi Maruo, Life-forms of colors, 2024, Photo courtesy Civic Creative Base Tokyo [CCBT].
Image #2: Photographer Ryuichi Maruo, Life-forms of colors, 2024, Photo courtesy Civic Creative Base Tokyo [CCBT].
Video Credits: Photographer Ryuichi Maruo, Life-forms of colors, 2024, Video courtesy Civic Creative Base Tokyo [CCBT].
Projektteam Mitglieder: Yuko Suzuki
Projektname: Life Forms of Colors
Projektkunde: Civic Creative Base Tokyo (CCBT)