Die Gestaltung von Architektur im historischen Stadtkern stellt eine besondere Herausforderung dar: Einerseits prägen jahrhundertealte Gebäude das Stadtbild, andererseits verlangt die Gegenwart nach innovativen Lösungen. Das Projekt Traeckaja 25 von Viktar Varabei nimmt diese Herausforderung an und interpretiert die traditionelle Backsteinarchitektur Hrodnas auf moderne Weise. Die Einhaltung der Höhenbeschränkungen und die Orientierung an der historischen Modulstruktur unterstreichen den respektvollen Umgang mit dem baulichen Erbe, ohne in bloße Nachahmung zu verfallen.
Die Proportionen des Gebäudes sind präzise auf die umgebende Bebauung abgestimmt. So gelingt es, moderne architektonische Ansätze harmonisch in das bestehende Stadtbild einzufügen. Ein markantes Merkmal ist der Rücksprung von der historischen Bauflucht, wodurch zusätzlicher Raum für Fußgänger entsteht und die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum gesteigert wird. Die Silhouette des Gebäudes wurde zudem so gestaltet, dass ein bestehender Baum auf dem Grundstück erhalten bleiben konnte – ein Zeichen für nachhaltige Stadtentwicklung.
Technisch überzeugt Traeckaja 25 durch die Verwendung von handgefertigten Mineralziegeln aus natürlichen Rohstoffen. Diese ökologisch vorteilhaften Materialien bieten nicht nur hohe physikalische Leistungsfähigkeit, sondern verleihen der Fassade durch detailreiche Ausführung und kunstvolle Ziegelarbeit eine unverwechselbare Identität. Die Entwässerungslösung ist dezent hinter der Fassade verborgen, was die klare Linienführung des Gebäudes unterstreicht.
Mit einer Grundfläche von 16 mal 9,6 Metern und einer Gesamtfläche von 361 Quadratmetern fügt sich das zweigeschossige Gebäude mit Dachgeschoss dezent in die kleinteilige Struktur des Stadtzentrums ein. Die Planung und Umsetzung erfolgten zwischen Mai 2023 und September 2024 in Hrodna, Belarus. Das Projektteam um Viktar Varabei und Vadim Zhuk setzte dabei auf eine enge Abstimmung mit den städtebaulichen Vorgaben und die Berücksichtigung des historischen Kontextes.
Die Auszeichnung mit dem Silver A' Design Award 2025 würdigt die architektonische und technische Exzellenz von Traeckaja 25. Das Projekt gilt als beispielhaft für die gelungene Verbindung von Innovation und Respekt vor dem kulturellen Erbe. Es zeigt, wie zeitgenössische Architektur neue Impulse für die Entwicklung historischer Stadtzentren geben kann, ohne deren Charakter zu beeinträchtigen.
Traeckaja 25 inspiriert dazu, den Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart in der Architektur weiterzuführen und nachhaltige, lebenswerte Stadträume zu schaffen. Die Verbindung von Tradition und Innovation bleibt ein zentrales Thema für die Zukunft urbaner Lebensqualität.
Projektdesigner: Viktar Varabei
Bildnachweis: Photographer Viktar Varabei
Projektteam Mitglieder: Viktar Varabei, Vadim Zhuk
Projektname: Traeckaja 25
Projektkunde: Intelstock Engineering